Special „Future Audio 2025“ | Stimmen aus der Audio-Branche: egoFM

Audio-Nutzertypen werden sich noch stärker differenzieren

Wie nutzen wir Audio in fünf bis zehn Jahren? Welche Trends setzen sich durch – welche Angebote werden verschwinden? Für unser Special Future Audio 2025 haben wir bei Audio-Experten nachgefragt.

Lesen Sie hier das Interview mit  Philipp von Martius, Geschäftsführer egoFM und der STUDIO GONG GmbH & Co. Studiobetriebs KG.

Lesen Sie außerdem Philipp von Martius‘ Meinung über die künftigen Herausforderungen an Radiosender.

  • In die Zukunft gedacht: Wie wird die Audionutzung 2020/2025 aussehen?

    Im Hörer-/Nutzermarkt besteht die Kernfrage darin, wer sich künftig besser behaupten wird bei der Neuverteilung der Anteile in der Nutzerzeit: War die Nutzerzeit bislang das Spielfeld von Radio einerseits und Tonträgern wie Vinyl, CD, Downloads andererseits, so ist durch das Hinzutreten der Streaming-Dienste wie etwa Spotify Bewegung in diese time-spent-listening-Aufteilung gekommen. Die Streaming-Dienste werden zunächst weiterhin große Zuwachsraten verzeichnen, die allerdings vordringlich durch die Substitution der Tonträgernutzung entstehen. Und bei diesem Wachstum werden sich die Streaming-Dienste künftig stärker in ihrer Gewichtung bei ihren beiden Geschäftsmodellen, Abonnement oder Werbeträger, entscheiden müssen, da Werbespots zwischen zwei Titeln für Nutzer auf Dauer eher ambivalent wirken. Das klassische Radio samt seiner Line-Extensions im Streaming-Bereich wird seine außerordentlich hohe Tagesreichweite auch im Tagesverlauf halten können, wenn es weiterhin gelingt, in unterschiedlichen Programmstrategien das veränderte Nutzerverhalten abzubilden und zugleich stärker die eigene Auffindbarkeit auf den digitalen Devices zu erobern.

  • Welche technologischen Entwicklungen sind bestimmend für die künftige Audionutzung?

    Die Kernelemente im technischen Bereich von Audio scheinen mir derzeit schon gegeben. Spannend wird es sein, ob „unbundled Services“ so entwickelt werden, dass sie mit einem hohen Grad an Convenience genutzt werden können. Da Audio zumindest in der Tagesablaufnutzung überwiegend sehr stark als „Nebenbei-Medium“ genutzt wird, werden die Anforderungen hier allerdings sehr hoch ausfallen. Zusätzlich wird von hoher Bedeutung sein, wie die Connectivity im Auto der Zukunft und damit auch die Formen des Audio-Entertainements ausfallen wird.

  • Welche gesellschaftlichen Entwicklungen oder Veränderungen werden Ihrer Meinung nach Einfluss auf die Audionutzung haben?

    In Deutschland ist in allen Bereichen der persönlichen Lebensführung ein wachsendes Auseinanderdriften zwischen den urbanen Ballungsräumen einerseits und den ländlichen oder kleinstädtischeren Räumen andererseits zu beobachten. Diese Entwicklung hat auch ein verstärkt inhomogeneres Konsum- und Freizeitverhalten zur Folge. Über diese zunehmende Ausdifferenzierung der unterschiedlichen Lebenswelten werden sich auch die Nutzertypen für Audio stärker ausdifferenzieren und somit veränderte Anforderungen an Audioangebote stellen.

  • Welche Vorteile wird das klassische UKW-Radio im Jahr 2020/2025 bieten?

    Das klassische UKW-Radio wird zunächst weiterhin von dem Convenience-Faktor getragen: Radio ist das Medium mit der höchsten Nutzung im Tagesablauf – und das bedeutet eine Nutzung neben Arbeit, Einkaufen und sonstigen notwendigen Lebensführungsangelegenheiten. Und eine solche „Nebenbei-Nutzung“ verlangt eben eine unkomplizierte Handhabung. Mit dem Nachwachsen der Generationen verändert sich aber auch die Vorstellung davon, was einfache oder komplizierte Handhabung bedeutet. Zudem verändern sich (siehe oben) die Zielgruppen in ihren Erwartungen an das Programm, so dass auch Programmstrategien überprüft und ggf. ausdifferenziert werden müssen. Schlussendlich hat das klassische Radio einen wesentlichen Vorteil, den man heutzutage vornehm „kuratiertes Programmangebot“ nennen kann: ein Audioangebot, das täglich aufs Neue vielschichtig emotional eine Community mit seinen Hörern herstellt, bildet und erneuert. Insofern besteht die Herausforderung der Zukunft für Radio auch in seiner an sich klassischen Aufgabe: Nämlich sein Programm so zu kuratieren, dass auch der Wandel in den Zielgruppen dennoch in eine lebendige Audio-Community überführt werden kann.

  • Welche Vorteile werden digitale Audioangebote 2020/2025 bieten?

    Unmittelbar wird der Vorteil der digitalen Angebote – gleich welcher besonderen Couleur – der höhere Grad an Individualität sein. Dieses Image hat sicherlich derzeit insbesondere bei den user-generated Streaming-Diensten einen erheblichen Anteil an ihrer Beliebtheit. Wenn sich der Neuigkeitseffekt dieser Angebote eingependelt hat, dann stellen sich vermehrt Fragen, die auch für ihre weitere Nutzung relevant sind. Einige Fragen davon könnten sein: Wie viel Werbung vertragen dauerhaft eigentlich individuelle Produkte, die von sich behaupten, allein meinen persönlichen Wünschen zu dienen? Gibt es dann auch Audio-Spot-Blocker? Ist das Angebot der Streaming-Dienste, das sich derzeit darüber definiert, ein möglichst umfangreiches Audio-Portfolio anzubieten, auf Dauer wirklich überzeugend für unterschiedliche Nutzertypen? Und – etwas idealistisch gefragt – wird das Bedürfnis, mit Musik mehr auszudrücken, als die Musik selbst hergibt – allgemein „Identifikationskraft der Musik“ genannt – durch die Beliebigkeit und Bedeutungslosigkeit des digitalen „alles und das jederzeit“ nicht dazu gebracht, neue Angebote jenseits der Angebote von Google, Apple und Spotify zu erfinden?

Audionutzung 2025 – Experten privat!

Herr von Martius…

Aktuell höre ich Audio am liebsten _ morgens egoFM über das klassische Radio, im Auto ebenfalls (auch viele unterschiedliche Sender, da bin ich neugierig) und abends entweder über Sonos oder richtig schön altmodische CDs über die gute, alte Stereo-Anlage… also eigentlich immer. Streamingdienste probiere ich ab und zu aus, ohne sie dauerhaft zu nutzen.
2020 höre ich Audio voraussichtlich am liebsten _ Bis dahin dürfte sich das inhaltlich nicht viel ändern, nur die Geräteverwendung könnte eine andere sein.

Aktuell höre ich Audio am meisten über _ Radio, Sonos, die Stereo-Anlage, iPad mit Beats Pill oder die egoFM-App.
2020 höre ich Audio voruassichtlich am meisten über _ Das wird sich vermutlich nicht gravierend ändern bei mir.

Wenn ich Audio nutze, dann meistens, weil ich _ neugierig auf das aktuelle Programm von egoFM bin. Neugier auf Programmlösungen bei Kollegen, Freude über neue gute Musik, Freude über ‚alte‘ gute Musik, gute Stimmen, gute Produktionen, spannende Erzählungen.

Ich höre lieber _ je nach Bedarf fokussiert oder nebenbei.

Musik kaufe ich aktuell am meisten als _ bei mir wichtigen Alben meistens noch als CD, da sie einfach besser klingen – und die Umstellung mir zu umständlich ist.
Musik kaufe ich 2020 wahrscheinlich am meisten als _ Wenn mir das Suchen nicht mehr so viel Spaß bereiten sollte, dann organisiere ich das vielleicht etwas digitaler.

Meine letzte CD/Platte war von _ Get Well Soon, Elliot Moss, El Vy, Leon Bridges, Frank Sinatra, Undertones, Tom Waits…

Philipp von Martius

Philipp von Martius

Geschäftsführer egoFM

Über egoFM

Neugierig, neuartig und überraschend, und so ganz anders als die formatierten Radioangebote: egoFM sendet seit 2008 in Bayerns fünf Ballungsräumen und seit 2016 auch in Stuttgart ein Programm für urbane Individualisten. Jenseits der Rezepte von formatierten Radios schaffen es egoFM und die ego-Substreams auch bundesweit, eine aktive, gut verdienende und konsumaufgeschlossene Zielgruppe für Radio zu begeistern. An egoFM ist die STUDIO GONG Gruppe beteiligt wie auch an rund 30 weiteren Radiosendern in Deutschland. Zusätzlich ist STUDIO GONG auch als überregionaler Hörfunkvermarkter tätig.

www.egofm.de

Ihr Unternehmen sollte auch hier vertreten sein? Dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf – wir freuen uns über weitere Stimmen aus der Audio-Branche!

© 2015 Facit Media Efficiency