Die (un)vollständige Geschichte der Audiogeräte

Seit Anbeginn der Menschheit – sprich seit rund zwei Millionen Jahren – begleiten Klänge die Menschen. Manche davon sind natürlich wie das Rauschen eines Baches, das Donnergrollen bei Gewitter oder die melodische Vogelstimme früh am Morgen. Einige künden von Gefahr, andere erfreuen das Ohr mit einer ganz eigenen Harmonie und Melodie. Diese Wohlklänge bestimmen die Geschichte der Audiogeräte, die eng verwoben ist mit der Geschichte der Musik, des gesprochenen Wortes und der Technik. Springen wir also etwas durch die Geschichte und skizzieren in Momentaufnahmen die wichtigsten Stationen der Apparaturen des auditiven Vergnügens.

Teil 3

Aktuell stehen 402 klassische Radiosender in Deutschland 2.670 Webradioangeboten gegenüber. Allerdings ist rein rechnerisch davon auszugehen, dass manch ein Sender nur eine Handvoll Zuhörer hat, denn der Anteil der Onlinenutzer, die zumindest gelegentlich Radioprogramme live über das Internet hören, liegt bei 28%. Mit ein Grund, warum trotz mangelnden Ausbaus der leistungsstarken analogen Lang-, Mittel- und Kurzwellensender die völlige Analogabschaltung bisher nicht erfolgt ist. Doch betrachten wir die Anzahl der Webradionutzer in Deutschland – immerhin knapp 28 Millionen Menschen im Jahr 2014 – genauer.

Es wird digital

Ende des 20. Jahrhunderts hörte die Weltöffentlichkeit das erste Mal von DAB, DAB+ und DRM. Bis heute kann sich da aber die breite Masse noch nichts drunter vorstellen, dabei sollte es der Quantensprung in der Radiotechnik sein: Neben der reinen Übertragung von Audioinhalten können Verkehrsinformationen und interaktive Inhalte transportiert werden. Die Zahl der Broadcast-Plätze wuchs ins unendliche und zum wirklichen Aufreger für die Öffentlichkeit wurde allerdings nur die Notwendigkeit, in neue Geräte investieren zu müssen, um die digitalen Angebote nutzen zu können. Das taten bislang nur wenige – aber sie wissen die bessere Klangqualität und weltweite Auswahl zu schätzen.

Im Gegensatz zum Digitalradio, welches als Broadcast verbreitet wird, wird das Internet-Radio als Live-Stream distribuiert. Was das für den Technik-Laien heißt, ist schnell erklärt. Digitalradio „funkt permanent“, Internetradio wird direkt auf Nachfrage adressiert. Heißt, ohne Nachfrage keine Aussendung. Während der Digitalradio-Hörer ein neues Endgerät brauchte, reicht dem geneigten Internetradio-Hörer ein entsprechender Streaming-Client, die vielfach kostenfrei als Download erhältlich sind. Wachsender Beliebtheit erfreuen sich auch reine Internetradiogeräte, die in Erscheinung und Bedienung stark an die frühen Transistorradios erinnern und damit auch für eine nicht-technikaffine Zielgruppe relevant sind.

Streaming Audio

Bei Streaming-Audio handelt es sich um das potentielle neue Massenmedium. Es ermöglicht eine Vielzahl personalisierter „Rundfunk“-Programme, -Formate, Archivnutzung und Mehrwerte in der Kombination mit anderen Multimedia-Technologien. Was uns hier im Detail interessieren soll, ist das Live-Streaming und On-demand-Streaming.

Das Live-Streaming unterscheidet sich für den Konsumenten kaum vom konventionellen Hörfunkprogramm: Man wählt einen Sender und was gesendet wird, man wird gehört und wenn das Programm vorbei ist, ist es eben vorbei. Im Gegensatz dazu bietet das On-demand-Streaming den Vorteil der Repetierbarkeit. Es kann gezielt auf archivierte Beiträge zugegriffen werden, mittels Suchmaschinen gezielt gefiltert oder über Playlisten ein individuelles Programm zusammengestellt werden. Der Online-Musikdienst Napster gehörte zu den ersten Anbietern von On-Demand-Streaming, der weltweite Popularität genoss. Mittlerweile hat sich das Freemium-Prinzip als Geschäftsmodell digitaler Musikdistribution durchgesetzt. Von Spotify bis Deezer kann der Hörer zwischen werbefinanziert-kostenlosen oder kostenpflichtig-werbefreien Premium-Angeboten entscheiden. Das Herunterladen der Musikangebote ist hierbei stark reglementiert. Nur bei den kostenpflichtigen Angeboten erhalten die Anwender eine digitale Kopie der Inhalte. Ansonsten haben sich Hörproben durchgesetzt, wie sie zum Beispiel im iTunes-Store von Apple angeboten werden.

Jenseits rechtlicher Zulässigkeiten bewegt sich häufig das Streaming-Angebot im Bereich C2C bzw. P2P – also zwischen zwei Konsumenten oder Peers. Insgesamt hinkt die Rechtsprechung den technischen Möglichkeiten vielfach hinterher. Die Audio-Stream-Produktion ist theoretisch für jeden Computer-Besitzer möglich. In Deutschland bedarf es für Hörfunkprogramme, die ausschließlich über das Internet verbreitet werden, keine Zulassung. Allein die technischen Möglichkeiten setzen dem ambitionierten privaten Rundfunkanbieter Grenzen. Was den Betrieb kostenintensiv macht, ist die Nutzung abgabepflichtiger Musik und das übertragene Datenvolumen: je mehr Hörer, desto teurer für den Sender.

Konvergenz oder Extinktion?

CD und MP3 mögen die Musikkassette verdrängt bzw. abgelöst haben, aber die Gefahr scheint auf Grundlage der aktuellen Daten bei Internetradio vs. konventionellem Radio nicht gegeben zu sein. Vielmehr ist es so, dass ein Annäherungs- und Ergänzungsprozess der beiden Medien stattfindet. Partikuare Interessen finden ihre Entsprechung in Nischen-Internetangeboten, währen die etablierten Radiosender ihre Angebote auch als Live-Stream anbieten. Etwas Neuartiges entstand mit den C2C-Streaming-Angeboten, die jedoch geltendes Recht konterkarierten und heute nur noch im Bereich von selbstproduzierten Musik- oder Informationsangeboten punkten können.

Monetarisierung

Neben den klassischen UKW-Sendern, die ihre Angebote auch digital verbreiten, ist der Markt in Deutschland noch unterentwickelt. Deshalb lohnt sich ein Blick über den großen Teich, wo im Online-Audio-Werbemarkt über 1,2 Milliarden US-Dollar umgesetzt werden. Das herausragende Moment bei Audiowerbung ist, dass es Multi-Device-fähig ist. Im Gegensatz zu Bannern muss Audio nicht „responsive“ sein. So etablieren sich seit einiger Zeit verschiedene Formate wie Pre-Stream- oder In-Stream-Audio-Ads.

Spannend ist dabei zu beobachten, dass der Zuhörer/Nutzer nicht mehr „angeschrien“ wird. Unterhaltsam, ansprechend und persönlich präsentieren sich die neuen Spots, die nicht eins-zu-eins vom klassischen Rundfunk übernommen wurden. Von der Kombination aus auditiven und visuellen Elementen ist viel zu erwarten, sobald auch das Targeting, was bereits technisch möglich ist, marketingtechnisch gezielt genutzt wird.

Lesen Sie auch Teil 1 und Teil 2.

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