Die (un)vollständige Geschichte der Audiogeräte

Seit Anbeginn der Menschheit – also seit rund zwei Millionen Jahren – begleiten Klänge die Menschen. Manche davon sind natürlich wie das Rauschen eines Baches, das Donnergrollen bei Gewitter oder die melodische Vogelstimme früh am Morgen. Einige künden von Gefahr, andere erfreuen das Ohr mit einer ganz eigenen Harmonie und Melodie. Diese Wohlklänge bestimmen die Geschichte der Audiogeräte, die eng verwoben ist mit der Geschichte der Musik, des gesprochenen Wortes und der Technik. Springen wir also etwas durch die Geschichte und skizzieren in Momentaufnahmen die wichtigsten Stationen der Apparaturen des auditiven Vergnügens.

Teil 2

Ton auf Band

Valdemar Poulsen gelang es erstmals 1899 den Ton eines Telefonats auf Band zu speichern. Die magnetische Tonaufzeichnung – zunächst auf Stahldraht später auf Kunststoff – entwickelte sich von da aus rasant weiter. Bei Rundfunk- und Studioanwendung wird das Band mittels offener Teller oder Spulen bespielt und ausgelesen. Die Bandbreite und Spulengröße variiert dabei nach Anwendungsgebiet und gewünschtem Klangerlebnis.

Für den Heimanwender kam Mitte der 70er Jahre die Kompaktkassette zur Anwendung. Leichter zu bedienen als die einzelnen Spulen, erlaubte sie das Mitschneiden beliebter Radiosendungen, die Funktion von Diktiergeräten und Anrufbeantwortern. Die Musikkassette verdrängte als kostengünstigere und schneller reproduzierbare Alternative die Vinylplatte. Sie nistete sich in Autos und Stereoanlagen ein, wurde stolz in Ghettoblastern durch die Gegend getragen und brachte eine ganze Generation dazu sich einen Sony Walkman zu wünschen. Erst die CD verdrängte die Erfahrung von Bandsalat im Kassettendeck.

Rise of the radio star

Bevor es soweit war, mussten erst einmal Tonaufnahme, Übertragung und Empfang reibungslos funktionieren. Den Grundstein legte Thomas Alva Edison 1877, ihm folgten die Pioniere des Fernmeldewesens und Rundfunks. Ungeachtet patentrechtlicher Querelen und paralleler Erfindungen oder Versuchsanordnungen haben Nikola Tesla, Guglielmo Marconi, Alexander Popow, Ferdinand Braun und Reginald Fessenden maßgeblich zur Entwicklung des Radios bis 1923 beigetragen.

Am 6. November 1919 sendete der niederländische Fabrikant Hanso Schotanus à Steringa Idzerda die erste bekannte Radiosendung. Fast fünf Jahre lang, vier Mal die Woche ging er von seiner Privatwohnung aus auf Sendung. Er musste seine Bemühungen jedoch einstellen, als er auf die freiwillige finanzielle Beteiligung seiner Hörer baute. 1920 ging die erste kommerzielle Radiostation an den Start. Neben der Liveübertragung der Präsidentschaftswahl bestimmten Firmen unterschiedlichster Branchen mit ihren selbstproduzierten Shows das Programm. Die Trennung von journalistischen Inhalten und Werbezwecken war noch nicht im Bewusstsein der Hörer verankert.

Weihnachten 1920 erfreuten musizierende Postbeamte erstmals breitenwirksam die deutschen Zuhörer. Allerdings unter anderen Vorzeichen als in Amerika. Das junge Medium war 1918 in seinen Anfängen bereits zum Spielball der Novemberrevolution geworden und im Nachgang stark reglementiert worden. So war zum Beispiel der Empfang von Funksendungen für Privatpersonen kurzfristig verboten, die Aussendung von Rundfunkangeboten genehmigungspflichtig und der Empfang ab 1923 dank Einführung der Rundfunkgebühr kostenpflichtig.

Nicht nur dem Ausland fiel schnell auf, dass das deutsche Radioprogramm nicht nur mit Livekommentaren zu Sportereignissen, Musik und intellektuellen Inhalten punktete sondern zu großen Teilen auch Sprachrohr der Regierung war. Im Nationalsozialismus wurden gerne mal alle Sender zusammengeschaltet, um flächendeckend Propaganda zu senden. Das erste Echtzeitmedium war geboren – schneller als das gedruckte Wort, direkter als eine umständliche Plattenproduktion und überregional für Groß und Klein konsumierbar. Allerdings misslingt im zweiten Weltkrieg den Rundfunkverantwortlichen weltweit die Trennung zwischen seriöser Berichterstattung und emotionaler Ansprache.

In der Nachkriegszeit geht die Radioentwicklung in Ost und West getrennte Wege. Mit der Gründung der DDR geht der Rundfunk in die Verantwortung der Staatpartei über, während die westlichen Allierten die vorhandene Rundfunkstruktur für eigene Sender nutzten und gleichsam die nationale Wiederaufnahme des Betriebs vorantrieben. Durch die Landesrundfunkgesetze gründeten sich zwischen 1948 und 49 die großen Landesrundfunkanstalten, deren Namen teils bis heute Bestand haben.

Heute sprechen wir von einem „trialen Rundfunksystem“. Es vereint die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die privaten Radiostationen mit primär kommerziellem Interesse und die gemeinnützigen Rundfunkveranstalter. Ebenso wie die kulturgeschichtliche Entwicklung des Radios hat auch die technische Seite ihre Höhen und Tiefen. Vom subventionierten Volksempfänger bis zum massentauglichen Transistorradio vergingen knapp zwei Jahrzehnte. Kleiner, leichter und unempfindlicher gegen Stöße schöpften letztere in mannigfaltigen Bauweisen das Marktpotential aus, was ihre großen Röhrenkollegen einst versprachen. Die Programmmischung aus Unterhaltung und Information machte das Radio weltweit ab den 60ern nachhaltig erfolgreich und zum alltäglichen Begleiter.

Video killed the radio star?

Während ein Plattenspieler eben ein Plattenspieler ist und maximal noch in einem Koffer daherkommt, nehmen Radios die verschiedensten und teils unmöglichsten Formen an. Vom Radiowecker über das Unterbaumodell eines Küchenradio bis zu High-tech-Autoradios sind Kurz- und Mittel-Wellen überall hörbarzumachen. Und so oft auch der Abgesang auf das Radio angestimmt wurde. Sei es in den Anfängen von MTV oder Anfang der 2000er Jahre mit der Verbreitung digitaler Angebote. Das Radio, der Rundfunk, die akustische Vielfalt auf Knopfdruck, ist erstaunlich resistent, was ihr Dahinscheiden angeht und erleben trotz oder gerade wegen der digitalen Streamingangebote eine Renaissance.

Lesen Sie auch Teil 1 und Teil 3.

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