Mehr als eine Randnotiz in der (un)vollständigen Geschichte der Audiogeräte:

Kopfhörer — da gibt’s was auf die Ohren!

Der Ur-Erfinder des Kopfhörers ist leider im Nebel der Geschichte untergegangen, aber seit es Telefon, Radio und Musikaufzeichnung gibt, brauchte der Mensch ein „Abhörgerät“ für ebendiese. Detailliert belegt ist die Geschichte der Baldy Phones: Nathaniel Baldwin (1878-1961) erfand aus persönlicher Not heraus einen akustischen Verstärker, der jedoch wirtschaftlich ein Desaster war, bis die U.S. Navy 100 Kopfhörer bestellte, um im Ersten Weltkrieg die Funker damit auszustatten. Mehr als 200.000 Bestellungen gingen bis 1922 bei Baldwins Radio Company in Salt Lake City ein. Der Kassenschlager war jedoch nur mittelprächtig isoliert und versetzte dem nicht professionellen Verwender gerne einen Stromstoß bei unsachgemäßer Anwendung.

In den 1930er Jahren war die mangelnde Lautstärke der meisten Empfangsgeräte ein Treiber für den Absatz von Kopfhörer. Beyerdynamic baute den ersten elektrodynamischen Kopfhörer. Ursprünglich waren die Entwicklungen militärisch motiviert, aber mit den „Plattenbars“ der 50er wurden Kopfhörer(-am-Stiel) populär.

1958 präsentierte die Koss Corporation den ersten Stereo-Kopfhörer. An einem Bügel montiert war er bequem zu tragen und verstärkte gezielt jeden Laut der mit ihm verbundenen Geräte. Die Welt der Kopfhörer blieb jedoch bis in die 68er eine geschlossene. Das heißt, das Ohr wurde nach außen abgeschirmt, der Schall strahlte nur in Richtung Ohr. Erst mit der Differenzierung des Marktes setzten manche Hersteller auch auf offene Kopfhörer, die den Schall mittels Membran nach außen und in Richtung Ohr abgeben. Die Klangqualität wird damit transparenter, dem Hitzestau vorgebeugt und der Klang räumlicher. Allerdings ist auch die Umwelt wechselseitig hörbar.

Mobilisierung und Individualisierung

Die Umwelt gänzlich auszublenden und nicht nur zu übertönen suchen die geräuschreduzierenden oder geräuschmindernden Kopfhörer. Ursprünglich als Gehörschutz gegen Störschall eingesetzt, offenbart sich das gesamte Potential in der Kombination mit der Wiedergabe von Nutzschall in verminderter Lautstärke. Diese Funktion macht Noice-Cancelling-Ear-Phones (Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung) so attraktiv für Lärmgeplagte. Man übertönt nicht mehr den Lärm mit Musik, sondern genießt den Nutzschall in angenehmer Lautstärke, während diverse technische Raffinessen den Störschall ausblenden. Einziger Nachteil der Technologie ist ihre Abhängigkeit von einer zusätzlichen Spannungsquelle für den Mikroprozessor, der die Berechnungen durchführt.

Damit wurde die Kluft zwischen den mobilen und stationären Kopfhörer-Nutzern größer. Während in den Anfängen nur der mobile Radiokonsum via Kopfhörer relevant war, konnte man nun mit der Musik-Kassette die eine Klangwelt Outdoor beeinflussen. Damit wurde die Kluft zwischen den mobilen und stationären Kopfhörer-Nutzern größer. Während in den Anfängen nur der mobile Radiokonsum via Kopfhörer relevant war, konnte man nun mit der Musik-Kassette die eine Klangwelt Outdoor beeinflussen.

1968 befreite die Firma Sennheiser mit den ersten offenen Kopfhörern den Klang: Nach den Prinzipien der Lautsprecherwiedergabe schufen die Offenen ein neues akustisches Erlebnis. 1979 kommt Sonys Walkmann auf den Markt. Damit wurde die Kluft zwischen den mobilen und stationären Kopfhörer-Nutzern größer. Während in den Anfängen nur der mobile Radiokonsum via Kopfhörer relevant war, konnte man nun mit der Musik-Kassette die eine Klangwelt Outdoor beeinflussen.

Die stationäre Nutzung von Kopfhörern gilt zunehmend dem reinen Musikgenuss, der in harter Konkurrenz mit der Weiterentwicklung der häuslichen HiFi-Geräte-Landschaft stattfindet, oder der Rücksichtnahme auf Nachbarn und Mitbewohner. Die mobile Kopfhörernutzung dagegen zeigt zunehmend Tendenzen eines bewussten Abschirmens und eines modischen Statements.

Kopfhörer gelten mittlerweile als Signature-Piece des modebewussten, urbanen Menschen. Wie der Jazz-Musiker John C. Koss ein halbes Jahrhundert zuvor, stellte Dr. Dre 2008 seine „Beats“ vor. Das rote B auf metallischem Grund entwickelte sich ebenso zum Markenzeichen wie die weißen Kopfhörer des iPods. Neben der Soundqualität wird zunehmend ein Soundimage verkauft, das objektiv so viel mit Klangerleben zu tun hat wie Stilettos mit Tragekomfort.

Zahlen – Daten – Fakten zum Kopfhörer

  • Im Jahr 2010 wurden weltweit rund 259 Millionen Kopfhörer verkauft.
  • 2015 werden es nach den aktuellen Hochrechnungen 290 Millionen sein. (Quelle: GfK)
  • Während der Durchschnittspreis in Deutschland im Jahr 2005 bei 15 Euro lag, stieg der Durchschnittspreis von Kopfhörern im Vergleich zum sinkenden Preis der Universalfernbedienungen auf 33 Euro. (Quelle: CEMIX, August 2015)
  • Geht man nach dem Verbraucherpreisindex für Kopfhörer in Deutschland, kauft man diese am Besten im März oder Mai, da die Preise zu Weihnachten hin merklich anziehen. (Quelle: Statistisches Bundesamt)
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