Es ist einmal im Jahr 2025…

Wie könnten die sieben Audio-Trends und die künftigen Vermarktungsmöglichkeiten von Audio in zehn Jahren in der Realität aussehen und funktionieren? Wir haben vier Zukunftsszenarien entwickelt, die Ihnen die Audionutzung im Jahr 2025 in anschaulichen Geschichten erzählen.

Scrollen Sie durch die Geschichten oder klicken Sie einfach auf die Figuren hier unten. Jedes Szenario können Sie sich außerdem als informative Grafik speichern.

Audioliebhaber und Hobbymusiker – zwischen Technikbegeisterung und Retrocharme

Audio Lover

Niklas ist auf dem Weg zu seinem Lieblingsplattenladen in Hamburg Altona. Die Dichte an Plattenläden ist hier enorm. Der studierte Bauingenieur ist Hobby-Musiker. Der Verdienst aus seinem Hauptjob ist, obwohl er mit knapp zwei Jahren Berufserfahrung noch zu den Einsteigern zählt, ordentlich. Nebenbei arbeitet er als Bartender. Im Gegensatz zu vielen anderen nicht aus finanziellen Gründen, sondern aus reinem Privatvergnügen. Er mag das gemischte Publikum, die vielen unterschiedlichen Charaktere und Gesprächsthemen. Außerdem nutzt er die Zeit in der Bar, um Feedback zu seinen eigenen Songs zu sammeln, indem er die selbstproduzierten Tracks unter die Bar-Playlists mischt. Neben Soundcloud ist dies sein zentraler Feedback-Kanal.

Den Plattenladen nutzt er als Quelle der Inspiration.[1] Ausgefallene Stücke findet er vor allem hier. Der Betreiber des Ladens reist permanent um die Welt und hat ein unbeschreiblich gutes Händchen, Besonderheiten aufzutreiben. Niklas lässt seinen Personal Assistant mithören; der erkennt die Tracks und speichert sie in einer seiner Playlists ab.

Niklas hört unterwegs Musik – wie eigentlich immer. In der Nähe von Starbucks wird diese von einem Instant Audio Break Spot unterbrochen und der Hinweis auf eine Sonderaktion wird eingespielt: „Komm innerhalb der nächsten 15 Minuten in unsere Altonaer Filiale (in Gehrichtung zweite Straße links) und sichere dir einen 50%-Rabatt für den peruanischen Flat White Espresso“. Er nutzt die Gelegenheit – ist ohnehin etwas müde – und gibt per Spracheingabe direkt die Bestellung seines Lieblingsespressos und eines Snacks auf, die er dann nur noch abzuholen braucht. Die Zahlung läuft bei Betreten des Cafés automatisch über die auf seinen Smart Devices hinterlegten Bankdaten.[2]

Dank GPS-Ortung und Hirnstrommessung[3] über seine smarten Kopfhörer wird die Audiowerbung räumlich und zeitlich passend ausgeliefert. Den werbefinanzierten Musik-Streaming-Dienst nutzt Niklas schon seit Jahren. Anfangs, während der Studienzeit, um sich die Kosten für den Premium-Account zu sparen. Nach Studienende überlegte er, auf einen bezahlten werbefreien Account umzusteigen, doch er entschied sich dagegen. Er liebt Inspirationen in allen Bereichen des Lebens – und das schließt Werbung mit ein. Denn schließlich ist Werbung inzwischen in keiner Weise mehr mit breiter Penetration zu vergleichen, sondern entspricht einem individuell zugeschnittenen Angebot.

Der Plattenladen ist von ihm allerdings als werbefreie Zone hinterlegt. Hier möchte er sich voll und ganz auf die Musik konzentrieren – und das wird selbstverständlich respektiert.

Nach Verlassen des Plattenladens wird der Werbe-Stream wieder aktiviert. Er ist von der Musik derart euphorisiert, dass ihm unmittelbar mehrere passende Audiospots präsentiert werden[4]: SPOTTRACK weist ihn auf die neusten Alben hin, die zu seinem tagesaktuellen Musikprofil passen. Sonos verweist auf die neuste Generation intelligenter Boxen, Saturn hat die PlayStation 6 im Angebot und Eventim „ab sofort“ Tickets für das Clubkonzert eines arabischen Newcomers. Der interaktive Spot ermöglicht die unmittelbare Abfrage der Anzahl noch verfügbarer Tickets. Niklas weiß, dass dieses Konzert in kürzester Zeit ausverkauft sein wird und bucht direkt per Spracheingabe.[5]

Das besonders Angenehme an modernen Audiospots ist nicht nur die per Programmatic Ad Delivery zeitlich und räumlich exakt passende Auslieferung, sondern auch die Spotkreation, die situations- und stimmungsbedingt – und hinsichtlich des individuellen Musikgeschmacks[6] – ausgelegt ist: Dank dem von Agenturen und Vermarktern entwickelten System InstantAudioSpotCreation® werden aus verschiedensten Audioelementen, die zu Marken bzw. Produkten hinterlegt sind, automatisch auf Niklas persönliches Profil zugeschnittene individuelle Werbespots in Echtzeit erstellt – natürlich mit den (Synchron-)Stimmen seiner Lieblingsstars.[7]

Als Niklas in seiner zentral gelegenen Wohnung ankommt, wartet auf ihn schon ein Probierkorb seines Stammsupermarktes. Seit immer mehr Menschen wie ihm die Zeit und die Muße für Einkäufe des täglichen Bedarfs fehlen, auch Nahrungsmittel, Kosmetikprodukte und andere FMCGs online bestellt werden, versenden Händler Produktneuheiten in Form von Probierkörben. Konsumenten wie Niklas freuen sich über die Gratis-(kost-)proben, die ihnen sonst am POS entgehen, und den Marken gelingt der automatische Schritt hinein in seinen Haushalt.

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[1] In einer immer stärker digitalisierten Welt wächst das Verlangen nach echten haptischen (Musik-) Erlebnissen. Neben der reinen Audionutzung über Streaming erleben wir gerade unter Sammlern eine Rückkehr zum physischen Besitz und zu analogen Retro-Audiotechnologien. Love Audio / Retro und Analog

[2] Das Smartphone als ständiger Begleiter bündelt mehr und mehr Funktionen und wird zur zentralen Steuereinheit im Connected Life. Mobile Audio / Assisting Audio

[3] Smarte Kopfhörer scannen die Gehirnwellen des Trägers, werten den unterbewussten Gemütszustand aus und spielen zur Stimmung passende Songs. Die Nutzung der Technologie zur noch gezielteren Werbeaussteuerung (Stimmungstargeting) ist nur noch ein kleiner Schritt. Immersive Audio / Affective Audio

[4] Stimmungstargeting: Werbungstreibende nutzen das Wissen über die in Echtzeit vorhandenen Informationen zur Stimmungslage für die noch exaktere Spotauslieferung.

[5] Kopfhörer werden zunehmend auf den mobilen Audiogenuss optimiert, um diverse Funktionen ergänzt und wandeln sich von einem vormals rein passiven Abspielgerät zu einem aktiven und intelligenten High-Tech-Gerät. Mobile Audio / Headphone Evolution

[6] Der Musikgeschmack wird als Indikator für Produkt- und Markenaffinitäten entdeckt und genutzt.

[7] Durch Big Data, Targeting und Programmatic Advertising können individuelle Werbeinhalte geschaffen und situativ um Zusatzinformationen ergänzt werden. Individual Audio / Individualisierte Werbung

Die digitalen Nomaden von morgen – mit ständiger Verbindung in die Heimat

Double Income No Kids

Matt scrollt durch die Neuheiten auf kickstarter.com. Der 40-Jährige Chief Innovation Officer ist permanent auf der Suche nach (technologischen) Neuheiten. Innovationen sichten, bewerten, Innovationsprozesse managen, Kollegen coachen – der Job ist wie für ihn geschaffen. Er arbeitet viel, empfindet es aber nicht so, denn die Arbeitstage, Arbeitszeiten und -orte sind vollkommen flexibel – wie in fast jedem Bürojob dieser Tage.[1] Er nutzt daher so oft es geht sein privates Homeoffice. Das ermöglicht es dem Musikliebhaber, fast den ganzen Tag Musik über seine Sonos-Boxen zu hören, ohne die Kollegen im Großraumbüro zu stören. Je nach Stimmung nutzt er entweder den Audio-Stream seines Golfclubs, den von BMW Motorrad oder zum Entspannen den von Rituals Cosmetics.[2] Die Lautstärke und Programmauswahl steuert er, wie eigentlich alle technischen Geräte in seinem vollvernetzten Smart Home direkt per Spracheingabe an seine persönliche digitale Assistentin – Siri. Dieses intelligente Assistenzsystem auf seiner Smartwatch ist ständiger Begleiter und Herzstück seines digitalen Lebensstils. In Kombination mit seinen kaum sicht- und spürbaren In Ears ersetzt sie sein in die Jahre gekommenes Smartphone.[3]

Zusammen mit seiner Frau Louisa reist er viel und gerne. Die beiden verbringen immer wieder mehrere Wochen im Ausland und arbeiten auch von dort aus. Der Kontakt mit den Kollegen läuft dann über seine smarten In Ears. Häufig sitzt jedes Teammitglied an einem anderen Ort. Dank der hochwertigen Audiotechnologie vergessen sie manchmal, dass sie gerade nicht im selben Raum sitzen.[4] Auf Zuruf werden von Siri automatisch Protokolle der Meetings angefertigt und in der Cloud seines Unternehmens gesichert.[5]

Die Ortsunabhängigkeit, die immer neuen Umgebungen sind für sie zugleich Inspiration und Quelle ihres persönlichen Glücks. Sie lieben Freiheit und Flexibilität – einer der Hauptgründe dafür, dass sie sich gegen eigene Kinder entschieden haben.[6] Die Unterkünfte für die Auslandsaufenthalte finden sie über die Online-Tauschbörse Morebnb Premium– eine Weiterentwicklung des ursprünglichen Airbnb-Konzeptes. Hier wird nicht nur der Wohnraum gemietet oder getauscht; Matt und Louisa tauchen förmlich in das Leben der anderen ein: nutzen deren Fitnessstudio, treffen einige der Freunde ihrer Gastgeber, nutzen deren Carsharing-Mitgliedschaft oder das Auto (sofern verfügbar, denn für viele ihrer Generation zählt der Besitz kaum mehr), das Theater-Abo und vieles mehr. Sämtliche Mitgliedschaften und Abos sind längst im Personal Digital Assistant-Systemen (Siri) hinterlegt und lassen sich auf die LifeXchange Partner übertragen.[7]

Der tiefe Einblick, das Eintauchen in ein anderes Leben ist für sie zu einem geliebten Hobby geworden. Dank der weltweiten Vernetzung der PDA-Systeme lassen sich die persönlichen Profile (Wohnpräferenzen, Hobbies, Interessen, Markenvorlieben etc.) im Handumdrehen und mit absoluter Treffgenauigkeit abgleichen. Persönliche Daten preiszugeben ist für die etwas jüngere Generation vollkommen normal, denn sie sind sich über den Wert ihrer Daten bewusst und nutzen diese als Währung.[8]

So sehr die beiden die Auslandsaufenthalte genießen, so sehr freuen sie sich auch immer wieder auf die Zeit in Frankfurt – ihrer Homebase.[9]  Hier sind ihre Wurzeln. Sie halten intensiven persönlichen Kontakt zu Familie sowie engen Freunden in der Heimat und genießen die Phasen des Büroalltags. Unterwegs nutzen sie überall auf der Welt ihre Lieblings-Audio-Streams, die sie an Zuhause erinnern: Louisa hört eine Kombination aus den Audio-Streams ihrer Lieblingsmarken Chloé und Prada, die neben Musik vor allem Hinweise zu Produktneuheiten, neuen Stores, Hintergrundinformationen zu den Marken sowie Trend- und Styling-Tipps beinhalten.[10] Marken sind längst zu intensiven Begleitern geworden, die Stabilität und Sicherheit bieten im fragmentierten und beschleunigten Lebensalltag.[11] Innerhalb der Audio-Streams ist der Kauf der empfohlenen Produkte jederzeit per Sprachbefehl an Siri möglich.[12] Der Vorteil gegenüber früher: Es gibt keine medialen Brüche mehr. Die Menschen müssen nicht mehr über das auditive Medium aktiviert und an ein anderes verwiesen werden, um einen Kauf abzuschließen. Sie leben im Zeitalter des Audio Commerce.

Ihren individuellen, profilbasierten News-Stream bezieht Louisa von Next Media, einem Zusammenschluss mehrerer lokaler und überregionaler Medienmarken aus den Bereichen Print und Hörfunk. Die jeweiligen Stärken und Expertisen der Kooperationspartner ergänzen sich optimal, so dass sie sich sehr gut im Content-Bereich positionieren können, der inzwischen hart umkämpft ist.[13] Die Zeiten, in denen vor allem traditionelle Medienmarken Nachrichten produzieren, sind längst vorbei. Louisa schätzt an diesem Zusammenschluss die Kombination aus regionalem Fokus auf der einen Seite und den qualitativ hochwertig aufbereiteten politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Informationen auf der anderen. Sie weiß, was in der Welt passiert, bekommt aber auch alles Relevante aus ihrer Heimat mit – und das Wichtigste: Die hinter dem Zusammenschluss stehenden Marken stehen für Tradition und Qualität. Sie vertraut ihnen, weiß, dass sie hier fundierte Informationen und Einschätzungen bekommt. Sie sucht in Next Media mehr als nur Nachrichten-Snippets, sie sucht einen zuverlässigen Partner, der für sie die schier unüberschaubare Informationsflut filtert, verdichtet und aufbereitet.[14]

Bei Matt ist das etwas anders: Nachrichten allgemeiner Natur lässt er sich in Kurzform direkt als Instant News Break auf seine Smart In Ears schicken – für ihn ist es vor allem wichtig, top aktuell informiert zu sein. Detailinformationen interessieren ihn nur aus den Bereichen Technologie, Trends und Innovationen.[15] Hier freut er sich auch über die Einblendung profilbasierter und thematisch relevanter Werbespots.

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[1] Zukunft der Arbeit: Bereits heute gibt es weltweit 827 professionelle Coworking Spaces, die ortunabhängiges Arbeiten ermöglichen.

[2] Spracherkennung und -synthese ermöglichen völlig neue Produkte und Dienstleistungen sowie einen einfacheren und persönlicheren Zugang zu neuester Technik. Mobile Audio

[3] In Ears wandeln sich von einem vormals rein passiven Abspielgerät zu einem aktiven und intelligenten High-Tech-Gerät. Mobile Audio

[4] Binaurale 3D-Aufnahmetechnik ermöglicht ein natürliches Hörerlebnis, als befände man sich mitten in der aufgenommenen Szene. Durch Ausrichtung- und Positionsbestimmung der Kopfhörer des Rezipienten, kann man sich in diesen auditiven Szenen sogar bewegen und die Position einzelner Soundquellen bestimmen. Immersive Audio

[5] Alle Daten liegen in der Cloud – unbegrenzter Zugang wird zum Standard, egal ob von unterwegs oder von zu Hause. Die ständige Netzverfügbarkeit wird zum Grundbedürfnis. Connected Audio

[6] Das Verhältnis zwischen dem Privatleben und dem beruflichen Bereich ist komplizierter geworden und vor allem für die Frauen im Vergleich zu früher weniger vorgezeichnet. Lebensformen, die das Bestreben beider Partner, erwerbstätig zu sein, gefährden könnten, sind daher unattraktiv. Die stark verbreitete Ehe- und Kinderlosigkeit vor dem Siegeszug. (Quelle) Gesellschaftlicher Wandel

[7] Sharing Economy meint das systematische Ausleihen von Gegenständen und gegenseitige Bereitstellung von Räumen und Flächen, insbesondere durch Privatpersonen und Interessengruppen. Im Mittelpunkt steht die Collaborative Consumption, der Gemeinschaftskonsum. Social Audio

[8] Mit persönlichen Daten zahlen (Pay by Data) Mobile Audio

[9] Als Gegentrend zur steigenden Globalisierung nimmt die Rückbesinnung auf die eigene Herkunft und der lokale Bezug zur Heimatregion zu. Individual Audio

[10] Marken können (auditive) Community-Plattformen nutzen oder etablieren und mit eigenen Inhalten bespielen – mit dem Ziel der Markenbindung und -loyalität. Social Audio

[11] Bei der Anschaffung teurer Güter sorgt die Wahl der präferierten Marke für eine vermeintliche Sicherheit vor falschen Kaufentscheidungen (Quelle).

[12] In Stream Buying ermöglicht heute schon den direkten Kauf aus dem eigenen News Stream auf diversen Social-Media-Plattformen, wie z.B. Facebook, ohne den Kanal wechseln zu müssen (Social Commerce).

[13] Zusammenschlüsse von Medienhäusern gewährleisten eine auf die Zielgruppe ausgerichtete, individuelle Informationsbereitstellung durch Verknüpfung verschiedener Kernkompetenzen.

[14] Bewerte Marken und vertraute Moderatoren bieten Orientierung im globalen Umfeld.  Social Audio

[15] Immer und überall auf dem neuesten Stand sein durch Filterung topaktueller weltweiter Nachrichten ausgerichtet an persönlichen Interessen.

Eine Familie auf Reisen – Audiogenuss gemeinsam und trotzdem individuell

Future Family

Etwa zweieinhalb Stunden Fahrzeit sind es von Albufeira nach Lissabon. Familie Zeis verbindet im diesjährigen Pfingsturlaub Erholung an der Algarve mit einem Städtetrip nach Lissabon. Familienvater Oliver hat für die Fahrt ein Self-driving Car gemietet. Die Autobahnfahrt nutzt er, um sich voll und ganz auf die Familie zu konzentrieren – statt auf den Verkehr. Quality Time mit der ganzen Familie ist für die beruflich eingespannten Eltern und die schulpflichtigen Kinder ohnehin rar und deshalb umso wertvoller.[1] Außerdem ist die Self-driving-Option nicht nur zeitlich effizient, sondern auch noch ökologischer und natürlich sicherer – schließlich hat jedes fremde Land auch seine verkehrstechnischen Besonderheiten.

Während ihre Eltern den Wagen beladen, verbindet Tochter Julia den Personal Digital Assistant JARVIS mit dem Bord Entertainment System des Wagens. „Guten Morgen, Julia!“, begrüßt sie JARVIS. Julia informiert das System darüber, dass die ganze Familie anwesend ist. Mittels der smarten Vernetzung aller Geräte untereinander, kann das Bord Entertainment System hier nicht nur auf die Unterhaltungsvorlieben von Julia zugreifen, sondern auch die anderen Familienmitglieder berücksichtigen und Daten zu ihren Präferenzen aus den Bereichen Reise, Verkehr, Einkaufsverhalten, Freizeitverhalten uvm. abrufen.[2] „Wünschen Sie unterwegs die Merian-Reisetipps zu Sehenswürdigkeiten in der Umgebung?“ „Ja, sehr gerne – am Liebsten aus den Kategorien Natur und Abenteuer“, sagt Mutter Anne. „Verstanden. Und dürfen es auch ein paar ausgewählte regionale Produktangebote sein?“[3] „Ja, aber nur zu Portweinen und Likören“, klinkt sich Vater Oliver ein. „Die müssen wir unbedingt noch besorgen, bevor wir nach Hause fliegen!“ Das System bestätigt und startet die Musikauswahl[4], die sich aus der Nutzungshistorie und Vorlieben aller Familienmitglieder zusammensetzt.[5] Eingestreut werden zum Familienprofil passende Musikstücke aus den portugiesischen Pop-Charts – die Familie liebt Rockmusik, das findet bei der Auswahl Berücksichtigung.

„Ich muss Ihren Musikgenuss leider kurz unterbrechen“, meldet sich das JARVIS. „Die A2 wurde unfallbedingt soeben vollgesperrt. Dauer der Sperrung: voraussichtlich eineinhalb Stunden. Wie wäre es zur Überbrückung der Zeit mit einem Besuch des Reserva Natural do Estuário do Sado? Die Visit Portugal-Community empfiehlt das Naturschutzgebiet u. a. aufgrund der hier beheimateten bedeutenden Delfin-Kolonie. Bewertet wird der Park mit 4,4 von 5 Sternen. Wünschen Sie weitere Informationen?“[6] [7] Die Familie hört sich einige Bewertungen anderer Reisender mit vergleichbarem Profil an und folgt der Empfehlung. Zusätzlich lassen sie sich von JARVIS direkt noch einen Tisch im ortsansässigen Spezialitätenrestaurant reservieren. Die Reservierungsbestätigung kommt umgehend auf dem Smartphone von Vater Oliver an. Durch die reizvolle Landschaft mit Blick auf eine große Gruppe von Delfinen und die kulinarischen Köstlichkeiten, ist die Verzögerung der Fahrt sofort vergessen.

Zurück im Auto schlägt Vater Oliver vor, für den Rest der Fahrtzeit gemeinsam einen interaktiven Krimi zu hören.[8] Er ist immer wieder begeistert, wie es Elektronic Arts gelingt, die Szenerie der Krimis in unterschiedliche regionale Umfelder einzubinden; in diesem Fall nun in die Algarvenregion. Während Maxim von dem Vorschlag seines Vaters angetan ist, klinkt seine Schwester Julia sich aus: Sie ist kurz darauf mit ihren Freundinnen zum (virtuell) gemeinsamen Hören ihrer Lieblings-Audio-Soap Oper powered by Mabelline verabredet.[9] Das kann und will sie auf gar keinen Fall verpassen. Kein Problem, schließlich kann sich jedes Familienmitglied mittels seiner smarten, kaum spür- oder sichtbaren Ohrstecker (Hearables) gezielt einer Situation – hier dem Familienleben – entziehen. In der heutigen Zeit ist dies ein unverzichtbarer Luxus.

Auch Mutter Anne ist nicht so angetan von der Krimi-Idee und nutzt die Zeit, um ganz in Ruhe die aktuellsten News und ausgewählte Hintergrundberichte ihrer Lieblingsdienste zu hören. Einige der Nachrichten wurden als zu wenig kindgerecht markiert und stehen ihr nun in ihrem persönlichen News Stream zur Verfügung.[10] Anschließend sucht sie sich einen portugiesischen Audio-Stream, dem sie dank der Simultanübersetzungsfunktion ihrer Hearables problemlos folgen kann. Die Integration von Werbespots aktiviert sie absichtlich. Schließlich hat sie heute mal die Zeit dazu, sich ein bisschen inspirieren zu lassen. Und sie liebt es, einfach mal die Augen zu schließen und sich voll und ganz auf die Akustik zu konzentrieren.[11]

Kurz vor der Ankunft am Ferienhaus meldet sich noch einmal das Unterhaltungssystem: „Drei Kilometer vor Ihrem Zielort befindet sich ein Supermarkt der Kette Pingo Doce, bei der sämtliche Produkte der Marke Sabores (Portweine) im Angebot sind. Da ich vernommen habe, dass Sie an Portweinen und Crackern interessiert sind und vor dem Hintergrund, dass das Angebot nur noch heute gilt, sollten Sie diese Gelegenheit nicht verpassen. Möchten Sie bei Pingo Doce einen kurzen Zwischenstopp einlegen?“[12] Sie halten tatsächlich und Mutter Anne nimmt direkt noch ein paar Oliven-Gläschen mit, von denen sie zuvor im portugiesischen Audio-Stream gehört hat. Während sie diese in den Einkaufskorb legt, hat sie schon ein genaues Bild vor Augen, wie sie diese abends auf der Terrasse ihres Ferienhauses genießen wird: mit einem Glas Portwein und ihren Lieblings-Cream-Crackern von Triunfo.

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[1] Geographische Mobilität wird weiter zunehmen. Self-driving Cars werden Erleichterung bringen (Connected Cars als ein Bestandteil des Connected Audio Trends). Erholungsphasen in einem Alltag, der ansonsten immer weniger Freiräume bietet.

[2] Weiterentwicklung der Infrastruktur: Die LTE-Abdeckung in Portugal dürfte 2025 annähernd 100% betragen – vor allem in urbanen Räumen und Urlaubsregionen. Die Abdeckung lag laut ZDNet in Portugal 2015 bereits bei 66% (zum Vergleich: Deutschland rund 53%) (Quelle) Connected Audio/Streaming everywhere.

[3] Die Ansprüche der Konsumenten steigen weiter. Werbung wird in Zukunft mehr einem zugeschnittenen Angebot denn einer ebenso breiten wie lauten Beschallung oder Penetration gleichen. (Audio-)Werbung als Empfehlung/Hinweis/Tipp.

[4] Sprachsteuerung ist die Zukunft!

[5] Social vs. Individual Audio.

[6] Konnektivität (Machine-to-Machine-Communication): Auto, Navigationssystem, Audio, Suchmaschinen, Soziale Netzwerke etc. – sie alle sind miteinander verbunden. Empfehlungsmarketing als zentraler Faktor.

[7] Gerade im Connected Car-Bereich profitieren touristische Destinationen, Gastronomie, Hotellerie, aber auch Handelsmarken und andere Marken mit räumlichem Bezug.

[8] Social Audio / Renaissance der Geschichten. Möglichkeit zur Product Placement-Einbindung.

[9] Virtuelle Events, virtuelles Miteinander als ein Aspekt des Social Audio Trends. Obgleich lineares Hören kaum oder nicht mehr existent ist, spielen Bereitstellungszeiten bei Events oder anderen besonderen Hörerlebnissen wie dieser Audio Soap eine zentrale Rolle. Es ist ein tief verankertes Bedürfnis vieler Konsumenten, zu den ersten Teilnehmern/Nutzern zu gehören. Gerade bei Jugendlichen besteht ein großes Interesse daran, frühzeitig informiert zu sein, um im Austausch mit ihren Peer Groups mithalten zu können.

[10] Filterfunktion/Kinder- und Jugendschutz: Sind Kinder oder Jugendliche im Raum anwesend, werden gewalttätige und sonstige jugendgefährdende Themen aus Nachrichten-Streams herausgefiltert und den Eltern im jeweiligen persönlichen News Stream zum späteren Anhören hinterlegt. Individual Audio/Maßgeschneidert.

[11] Dank ausgefeilter Filtermechanismen (gezielte Werbemittelaussteuerung) und Konzentration auf präzise formulierte Werbe-Empfehlungen sinkt die Abwehrhaltung gegenüber klassischen Werbespots deutlich. Konsumenten lassen sich punktuell sogar gerne davon inspirieren. Klassische Audiospots gelten inzwischen als Kult (vgl. Kinowerbung). Die hochwertig produzierten Audiospots lassen auf eine Weise Bilder im Kopf entstehen, die in der multimedialen Landschaft einmalig sind. Sie sind zu einer Rarität geworden und damit zu etwas Besonderem, das von vielen Konsumenten gerne genutzt wird (Quelle).

[12] Mobile Audio / Assisting Audio / Mobile Audio Marketing

Ein Rentner mit interaktivem Podcast – vom Komsumenten zum Markenbotschafter

Silver Ager

Das Kellergewölbe ist niedrig, weiß verputzt, ein wenig beengt. Wolfgang H. holt den Abschrieb der alten Tagebuchaufzeichnungen aus seiner Tasche, gibt seinem Personal Digital Assistant (PDA) CORTANA verbal den Auftrag zum Aufnahmestart und beginnt laut zu lesen. Als er aufhört zu sprechen, wird die Aufnahme automatisch gestoppt und wiedergegeben. Er ist wie immer begeistert von der binauralen Aufnahmequalität: Die Hörer werden das Gefühl haben, selbst in diesem Gewölbe zu stehen.[1] Der pensionierte Geschichtslehrer frönt seiner Leidenschaft für Geschichte, indem er Podcasts mit Geschichten aus seiner Heimatstadt München und dem Umland aufnimmt: Geschichten aus der Feder ehemaliger Bewohner aus den vergangenen Jahrhunderten, deren Aufzeichnungen und Briefe er über die Jahrzehnte hinweg gesammelt hat. Aufgenommen werden sie an zentralen Orten ihres Lebens. Dafür bewegt er sich kreuz und quer durch die Stadt und produziert dabei – GPS-Tracking sei Dank – interaktive Audiotouren. Anfangs wurden diese noch auf seiner privaten Website den interessierten Zuhörern zur Verfügung gestellt; vor ein paar Jahren entdeckte ihn dann ein Audio-Vermarkter, der ihn und seine Geschichten innerhalb der Podcast-Community einer größeren Öffentlichkeit bekannt machte.

Mit über 50.000 Stammhörern aus der Region ist sein Format längst für Werbungtreibende interessant. Vor allem Traditionsmarken mit regionalem Bezug wie Andechser Natur, Bernbacher und Erdinger profitieren, da auch ihre jeweilige Firmenhistorie mit der Stadt und dem Umland von München verbunden ist.[2] Ein optimaler medialer Kontext – auch, aber nicht nur für regional agierende Marken. Im Falle von Wolfgang H. werden unter anderem über das Stadtmarketing viele der jährlich millionenweise nach München strömenden Touristen auf das spezielle Audio-Angebot aufmerksam und nutzen es zu Hauf für eine etwas andere Art, die Stadt, die Region und ihre Traditionsunternehmen kennenzulernen.

Viele Marken nutzen mittlerweile professionell vermarktete private Podcasts aus allen Bereichen. YouTube-Stars waren gestern: Heute sind die Podcast-Produzenten zu Bekanntheit gelangt und es werden nicht nur ihre medialen Produkte von werbungtreibenden Marken genutzt, sondern auch die Produzenten selbst als Markenbotschafter eingesetzt. Es ist die Hochphase des Empfehlungsmarketings.[3] [4]

Aber zurück zu Wolfgang H.: Auf dem Weg zum nächsten Aufnahmepunkt in seiner Geschichte meldet sich sein PDA CORTANA wieder: „Wolfgang, die ich habe Ihren Blutdruck gemessen. Alles in Ordnung. Die Werte sind in Ihrem TK-Gesundheitsprofil gespeichert. Allerdings meldet mir Ihre Smart Medical Box[5], dass ihre Blutdruckmedikamente zur Neige gehen. Soll ich diese direkt bestellen?“ Wolfgang H. bejaht. Er ist kein ungeduldiger Mensch, aber doch seit mindestens einem Jahrzehnt daran gewöhnt, dass alles immer sofort verfügbar ist und erledigt wird. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch geistige Kapazitäten. Die Zeiten von Einkaufslisten an Kühlschränken gehören schon lange der Vergangenheit an. CORTANA prüft also die Medikamentenbestände der Apotheken in der Umgebung. „Ihr Standartmedikament von Novartis ist bei Ihrer Hausapotheke vorrätig, allerdings habe ich ein spezielles Angebot für ein Alternativprodukt der Marke Bayer für Sie vorliegen. Möchten Sie sich das Angebot in einem kurzen Audiospot anhören?“ Wolfgang H. freut sich immer wieder über diese individuellen Sonderangebote, probiert dadurch regelmäßig neue Marken aus und spart sogar dabei. Die Lieferung erfolgt unmittelbar per Drohne in Wolfgang H.s Smart PostBox. Auch um die Bezahlung kümmert sich CORTANA.[6]

„Wolfgang, die Lieferung Ihres Medikaments ist erfolgt“, meldet sich CORTANA. „Ich habe übrigens noch eine gute Nachricht für Sie: Sie haben die nächsten 10.000 Schritte innerhalb Ihres Bewegungsprogramms frühzeitig absolviert. Die Information ist soeben an das Bonussystem Ihrer Krankenkasse übermittelt worden.[7] Nach so viel Bewegung freut sich Wolfang auf ein gekühltes Weißbier der Marke Erdinger und seine allabendliche Brotzeit.

Während Wolfgang H. also beginnt, sich eine Kleinigkeit zum Essen vorzubereiten, startet er per Spracheingabe seinen individuellen Audiostream, der ihm zunächst eine 30-minütige Zusammenfassung seiner persönlichen Highlights des Tages (Musik, Nachrichten, Service, fiktive Geschichten…) liefert und dann automatisch in den laufenden Stream seines Lieblingsaudiosenders wechselt.

Während er noch ein wenig aufräumt, lässt sich Wolfgang H. ganz bewusst aktuelle Schnäppchen in seinem individuellen Werbeblock präsentieren und macht es sich anschließend in seinem HighRes Audio Sessel am Fenster gemütlich. Über die im Sessel verbauten Lautsprecher und Resonanzkörper genießt er seine Lieblingsoper, präsentiert von der Deutschen Grammophon.[8]

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[1] Binaurale 3D-Aufnahmetechnik ermöglicht ein natürliches Hörerlebnis, als befände man sich mitten in der aufgenommenen Szene. Durch Ausrichtung- und Positionsbestimmung der Kopfhörer des Rezipienten, kann man sich in diesen auditiven Szenen sogar bewegen und die Position einzelner Soundquellen bestimmen. Immersive Audio

[2] Unternehmen bzw. Marken machen sich die Entwicklung, dass einheimische Marken und Produkte aus der Region eine immer wichtigere Rolle einnehmen, zu Nutze. Social Audio

[3] Das virtuelle Teilen und Empfehlen wächst weiter an und da Menschen Wert auf Empfehlungen von Gleichgesinnten legen wird der „Nachbar“ von nebenan zum glaubwürdigen Markenbotschafter. Diese Entwicklung machen sich viele Marken zu Nutze. Social Audio

[4] Das Medium Audio hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Nach Jahrzehnten der Text- und Bild-Fokussierung sind wir in einem Audio-Zeitalter angelangt.

[5] Machine-to-Machine Communication – verschiedene Devices tauschen sich eigenständig untereinander aus, der menschliche Impuls ist nicht mehr notwendig.

[6] Same Day Smart Delivery ermöglicht eine Lieferung innerhalb einer Stunde, beispielsweise per Drohne. Schon heute bieten Firmen wie Amazon und auch regionale Einzelhändler die Lieferung binnen 24 Stunden an.

[7] Durch Weitergabe persönlicher Daten (Pay by Data) werden Belohnungen, z.B. in Form von Bonuspunkten und Prämien, ausgeschüttet.

[8] Hören und Fühlen ist das neue Lesen. Eine für den Nutzer angenehmene Lean-Back Situation entsteht.

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